2018 04 20 Bildnerische Erziehung im Kontext digitaler und kultureller Bildung

20. – 21. April 2018
Ars Electronica Center, Ars Electronica Straße 1, 4040 Linz; Kunstuniversität Linz, Reindlstraße 16-18, 4040 Linz

Das Bundesseminar „Bildnerische Erziehung im Kontext digitaler und kultureller Bildung“ wurde als neues Format 2018 erstmals in die Bundesseminarschiene des ZSK aufgenommen und in Kooperation mit dem AEC und der Kunstuniversität Linz (Abteilung Mediengestaltung) durchgeführt. Die große Nachfrage an dem Seminar – es war in kurzer Zeit ausgebucht – ließ erkennen, dass auf dem Sektor der Digitalisierung unter dem kulturellen-künstlerischen Aspekt großes Interesse besteht.

Der erste Seminartag wurde im Ars Electronica Center mit einer gut durchdachten Führung durch das „Museum der Zukunft“ eröffnet, bei der faszinierende Einblicke in moderne Technologien geboten wurden. Der Deep Space 8K des AEC erlaubte immersive Erfahrungen in orbitale Strukturen und Eintauchen in virtuelle Räume mittels 3D-Brille. Im Anschluss bekamen die Teilnehmer/innen gute Einblicke in die vielfältigen Vermittlungsprogramme für Schulen und konnten in Schnupper-Workshops ihr technisches Verständnis erproben. In den „Labs“ wurden Experimente im wissenschaftlich-technischen Bereich gezeigt. Im Workshop „Gestalten und Programmieren mit Little Bits“ wurden aus verschiedensten Bauteilen und Materialien, elektronischen Schnittstellen und Steuerungselementen kleine technische Geräte gebaut, die, je nach Wunsch, funktional oder witzig-afunktional waren. Ein weiterer Workshop bot Einblicke in das Erstellen von 3D-Modellen am Computer und die Handhabung von 3D-Scannern und 3D-Druckern. Was alles im „Sound-Lab“ und „Trickfilm-Lab“ realisiert werden kann, wurde anhand von beeindruckenden Projektergebnissen von Schüler/innen gezeigt.

Der zweite Seminartag, der zur Gänze an der Kunstuniversität Linz abgehalten wurde, stand ganz im Zeichen vier unterschiedlicher Workshops, die entweder in der Vormittags- oder Nachmittagseinheit besucht werden konnten.

Workshop „Creative Commons – Ressourcen nützen mit Creative Commons – kreativ und legal im Netz“ (Leitung: Mag. Elke Hackl)
Elke Hackl zeigte den Teilnehmer/innen ihres Workshops, wie sich Urheberrechts-verletzungen im Kontext von Schule und Unterricht vermeiden lassen. Profund und kurzweilig bot sie einen gelungenen Einblick in die 2001 in den USA gegründete, gemeinnützige Organisation Creative Commons (https://creativecommons.org/). Diese stellt Autor/innen von Sachbüchern etc. Standard-Lizenzverträge zur Verfügung, wodurch Werke ohne Urheberrechtsverletzungen zur sachgemäßen Nutzung freigegeben sind. Der Grundgedanke ist, Wissen mit Interessierten weltweit zu teilen. Um hinsichtlich der Nutzung von Bildern aus dem Internet erst gar nicht mit dem Vorwurf der Unrechtmäßigkeit konfrontiert zu werden, verwies Elke Hackl auf Wikimedia, das „Schwesterprojekt“ von Wikipedia, wie auch auf https://www.schule.at/tools/bilderpool.html. Sie machte die Teilnehmer/innen auch mit https://lizenzhinweisgenerator.de/vertraut.
Beachtet man die Hinweise und Tipps dieses Workshops, so lassen sich Urheberrechts-verletzungen gut vermeiden.

Workshop „OpenToonz und Adventure Game Studios“ (Leitung: Mag. Wolfgang Hoffelner)
Das seit 2016 frei zugängliche Animationsprogramm „Open Toonz“ basiert auf jener Software, die große Animationsstudios verwenden, wie zum Beispiel das bekannte japanische Zeichentrickfilmstudio „Ghibli“, das damit 2004 den erfolgreichen Kinofilm „Das wandelnde Schloss“ realisierte.
Das einsteiger- und benutzerfreundliche „Open Toonz“, das sich bestens für den schulischen Einsatz eignet, arbeitet sowohl mit Pixel- als auch Vektorgrafiken und bietet eine breite Palette an Animationstechniken. Im Workshop wurde mit der portablen Version gearbeitet, einzelne Features wurden ausprobiert, Figuren animiert, Loops und Oberflächenstrukturen erstellt.

Workshop „Das Videostudio in der Hosentasche“ (Leitung: David Kleinl)
Facebook, YouTube, Instagram: Selbst produzierte Videos boomen und sind im digitalen Zeitalter zu einem wesentlichen Kommunikationsmittel geworden. Videos, die nur mit dem Smartphone produziert sind, werden vermehrt im Journalismus und in der Online-Werbung, aber auch als Marketing-Tool für Webseiten oder Social-Media-Plattformen eingesetzt. Die Videoqualität bleibt dabei aber zumeist auf der Strecke.
Ziel des Workshops war ein qualitativer Einsatz des eigenen Smartphones beim Filmen und Filmschneiden. Gelernt wurden der richtige Einsatz von Bild, Ton und Text, was eine 1:1-Umsetzung im Schulunterricht ermöglicht.

Workshop „Webvideokulturen“ (Leitung: Mag. Gerrit Höfferer)
Nachdem der Workshop von Martin Schindlauer kurzfristig entfiel, referierte Gerrit Höfferer zum Themenbereich „Webvideokulturen“ und bot einen historiografischen Überblick von den „Prä-Youtubern“ bis zu einzelnen paradigmatischen Webvideos, die mittlerweile Ikonenstatus erlangt haben. Genrespezifische Ausprägungen und deren charakteristische Merkmale wurden präsentiert und analysiert. Diese popkulturellen „Remixes“, die vorhandenes Material parodistisch verfremden, zeigen, dass Begriffe wie „Original“ und „Autorenschaft“ einer sehr freien Auffassung unterliegen.

Nach dem ersten Workshopdurchlauf referierte Mag. Irmgard Bebe von KulturKontakt Austria über die Fördermöglichkeiten und Programme für Schulen und stand für Fragen zur Verfügung.

Das Feedback zum Bundesseminar ergab eine hohe Zufriedenheit mit Programm und Ablauf und den Wunsch der Lehrenden künstlerisch-kreativer Fächer, ihre Kompetenzen auf dem digitalen Sektor zu intensivieren und auf profundere Beine zu stellen. Denn vieles von dem, was im Unterricht an digitalen Kompetenzen vermittelt wird, basiert auf der Eigeninitiative und der Eigenschulung der Lehrenden. So lobenswert und wertvoll der autodidaktische Erwerb und das Eigenstudium im Hinblick auf das Digitale ist, so braucht es dennoch im Rahmen der Digitalisierung eine Gleichschaltung der Kompetenzen, um allen Schülerinnen und Schülern den selben Standard auf dem digitalen Sektor zu bieten. Zur Zeit ist das dbzgl. Bild ein sehr heterogenes.
Aus diesem Grund wird das Bundesseminar 2019 eine Fortsetzung erfahren und unter der Bezeichnung „DigiFutures“ für alle Lehrenden künstlerisch-kreativer Fächer geöffnet werden.

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